Samstag, September 28, 2013

Letzte Blüten

OrchideeWikiDas Gedicht spielt auf Georg Trakls "Romanze zur Nacht" an. Es erschien vor 100 Jahren, am Ende einer Epoche, die von mit besonderer Sensibilität Begabten wie Trakl als Vorabend katastrophaler Ereignisse wahrgenommen wurde.

Einsamer im Orchideenfeld
Suchst unter Blüten dein Herz zu retten
Wünschst, dass ein Wunder vom Himmel fällt
Defibrillator gegen Tod in den Betten
Hoffst auf Bestand für die Liebesträume
Auf deiner Bindungen Rekonvaleszenz
Leugnest die Macht der irdischen Trends
Mustermänner bevölkern die Räume.
Horch nur: die Elstern bekrächzen dein Scheitern
Horch nur: Klatschkanäle filtern dich aus
Horch nur: der Mob umstellt schon dein Haus
Sieh nur: die Wunden beginnen zu eitern.

Einsamer, nun schärfe dein Messer
Trenn dir die müden Triebe ab.
Die Orchideen nimm als Schmuck für dein Grab
Du weißt: In Freiheit stirbt es sich besser.

Donnerstag, August 01, 2013

Uhu

 

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Ich liebe alles nächtige Getier

Die Eulen, Schlangen, Kröten und die Spinnen

Die einsam jagen, mit geschärften Sinnen

Wenn alles schläft, dann treibt es mich zu dir.

Mein Lieben ist aus Furcht und Nacht und Tod

Es flieht die Ordnung, hasst die engen Räume

Sein Sein ist Chaos und sein Stoff die Träume

Ein Auf und Ab aus wilder Lust und Not.

Was Mäuse schreckt, muss nicht die Duckmaus spielen

Es scheut das Licht, weil’s keine Larve trägt

Die Sonne bringt es niemals an den Tag

Hinter dem falschen Frieden

Steckt der Todesschrei.

 

Sonntag, Juli 21, 2013

Lebenszeit

2013-07-14 12.15.54

Der Sommer bleibt nicht. Sag: willst du denn bleiben?
Törichter Mensch, das Universum rechnet nicht
in deinen Zahlen: Stunde, Jahr und Tag.
Ist nicht dein Winter dir ins Fleisch geschrieben?
Ist's nicht des Herzens allerletzter Schlag?

Du weißt es nicht. Du willst es gar nicht wissen.
Du wünschst, dass jeder Schmerz dich meiden soll.
Du träumst von Lust, von Liebe und von Küssen
Die ewig dauern, ohne Lebewohl.

Dein Herbst, mein Freund, winkt schon aus Rosenblüten
Die Wolken ziehn – vertrau dich ihnen an.
Du warst ein Kind, geliebt, du wurdest Mann
Und lerntest hassen, kämpfen, wüten
Bist bald ein Greis, schon färbt der Frost dein Haar -
Vertrau den Wolken. Was vergeht, ist wahr.

Donnerstag, März 07, 2013

Gespenster - Zeitgeister - Grenzerfahrungen

umtriebiger Traumtänzer und Multitalent

Der "Gespenster-Hoffmann" gehörte schon früh zu meinen literarischen Vätern; mit 14 radelte ich hinaus in den Frühling, im Gepäck die "Serapionsbrüder", träumte mich, bäuchlings ins Gras einer Lichtung des Thüringer Waldes gestreckt, fort nach Italien oder in die Straßen von Dresden, wo der Student Anselmus seiner großen Liebe nachjagt, einer Märchenprinzessin in Gestalt einer goldenen Schlange. "Was ist Wahn, was Wirklichkeit?" - so begann die Reise entlang der Grenzen und darüber hinaus.

Kein Wunder also, dass mich im "Raketenschirm" diese Frage ebenso beschäftigt wie in den beiden ersten Romanen - es finden sich noch andere tiefe Bezüge zu E.T.A. Hoffmann. Die Frühlings-Session von "Leben Lesen" widmet sich dem großartigen Komponisten, Erzähler, verzweifelt erfolglosen Theaterdirektor, Alkoholiker, den der frühe Tod vor seinem Hinauswurf aus dem preußischen Staatsdienst bewahrte. Als Kammergerichtsrat hatte er 1822 den renitenten"Meister Floh" verfasst, erst 86 Jahre nach seinem Tod erschien der von der Zensur beschlagnahmte Text.

Es ist auch kein Wunder, dass "Leben Lesen" sich auf den Gespenster-Hoffmann beruft: die Erzählrunde der "Serapionsbrüder" war dafür ein Vorbild. Dort trafen sich Hoffmanns - fiktive - Freunde und spannen ihr Garn. Wenn wir uns also zum Erzählen im Kaminzimmer des "Atlantic" ums Feuer versammeln, dann ist das die stimmungsvolle Reverenz an sein aufgeregtes, umtriebiges, phantastisches Leben und Träumen.

Termin: 27. März 2013 19 Uhr, im "Atlantic Parkhotel " Baden-Baden, Kaminzimmer. Näheres zur Veranstaltung unter "Aktuelle Termine"